Operndiva mit Charisma

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natalia | 15. Juni 2016 | no comments

 

NATALIA USHAKOVA – EINE SÄNGERIN, DIE DAS UNIVERSUM DES SOPRANFACHS DURCHMISST

Wenn sie die Stimme erhebt, ist es ihre innere Stimme, ihre Seele, die zum Publikum dringt. Die Stimme, das Organ, das in ihrer Kehle wohnt, ist nicht mehr und weniger als das Instrument, auf dem die Seele spielt. Es ist ein kostbares Instrument, mit dem sich die Vibrationen und Eruptionen ihrer Seele mitteilen: Aus dunkler Mittellage und Tiefe, die bis in Mezzo-Regionen hinabreicht, schwingt sich Natalia Ushakovas Sopran scheinbar mühelos in lichteste Höhen, hellt sich auf, als wären die Töne in gleißendes Licht getaucht. „Niemand singt diese extremen Höhen und die Koloraturen mit so einer Leichtigkeit und Freude wie sie“, weiß Hilde Zadek Natalia Ushakovas geniale Mentorin.
Der Spannungsbogen in dem sich ihre Stimme zwischen dunkler Erde und heller Himmelhöhe des hohen F bewegt, ist eines der Faszinosa, die Natalia Ushakovas Publikum und stetig wachsende Verehrergemeinde immer wieder in Atem hält. Zu den Vorzügen ihres Singens zählt auch die besonders feine Pianokultur – eine Tugend, die im Musikbetrieb längst nicht mehr selbstverständlich ist. „Man kann sie kaum erlernen, sie ist mir angeboren“, sagt Natalia Ushakova dankbar. Kenner sind sich auch einig, dass in ihrem unverwechselbar timbrierten Sopran die berühmte „Träne“ mitzuhören ist, wie sie nur den ganz Großen – einem Giuseppe di Stefano, einem José Carreras in seiner Glanzzeit oder der Callas – eigen war.
Gewiss, die ewigen Vergleiche aufstrebender Sängerinnen mit Maria Callas („eine neue Callas“) ermüden, sind meist nicht angebracht und hinken bedenklich. Die Callas ist singulär, unvergleichlich und wird niemals zu klonen sein, weil auch sie ihre ganz persönliche, ureigene und niemals zu duplizierende innere Stimme geradezu rücksichtslos nach außen kehrte. Doch Anklänge dürfen sich aufdrängen: Auch die Callas vereinte eine zuweilen stark abgedunkelte Tiefe und mittlere Lage mit hoch reichender Koloratur und sang lyrisch-dramatische Partien, Belcanto und halsbrecherische Koloraturen gleichermaßen.
Darin sind Ahnungen von Ähnlichkeit zwischen der einstigen Primadonna assoluta und Natalia Ushakova zu erkennen. Auch wenn die aus Russland stammende und längst in Österreich beheimatete Sängerin mittlerweile den als Fachwechsel kommunizierten Schwenk zum Koloratursopran vollzogen hat, berührt sie weiterhin zutiefst mit hoch expressivem lyrisch-dramatischem Gesang – was sie für ihre beide Anforderungen vereinende Lieblingspartie der Violetta in Verdis „Traviata“ geradezu prädestiniert. Sollte man daher statt von Fachwechsel von Facherweiterung sprechen?
Ganz zu Beginn ihrer Karriere hat Natalia Ushakova voluminöse Partien wie die Abigaile in „Nabucco“ gesungen, sie war Desdemona in Stuttgart, Tatjana in „Eugen Onegin“ und Lisa in „Pique Dame“ an der Seite Placido Domingos als Hermann in Washington – und sie sang Rollen wie die Elsa in „Lohengrin“ … Doch da war wieder die innere Stimme, die ihr schon in Jugendjahren suggerierte: „Ich möchte irgendwann die Lucia singen.“
Kammersängerin Hilde Zadek, die Große, hatte nicht nur das feine Ohr für Natalia Ushakovas Sopran, sie verhalf auch der inneren Stimme ihrer Schülerin zu ihrem Recht: „Was singst Du Salome, Butterfly und Tosca, wenn Du so hohe Töne drauf hast?“, fragte die Zadek und begleitet seither ihre Schülerin auf ihrem Höhenflug ins Koloraturfach. Natalia Ushakova bezeichnet sich selbst als Besessene. Nun lebt sie ihre gestalterische Besessenheit vor allem im Belcanto aus, zwischen lyrischer Empfindsamkeit (mit Hang zu dramatischer Expression) und virtuoser Koloratur.
Doch über dem Vorstoß ins Koloraturfach vergisst Natalia Ushakova zur Freude ihrer Fans nicht, dass sie – und so empfindet man es – noch immer auch im jugendlich-dramatischen Fach zu Hause ist. Die als Hommage an die musikalischen Regenten des Jahres 2013, Verdi und Wagner, gedachten Bonusnummern des vorliegenden Albums zeigen sie auch als Elisabeth in „Tannhäuser “ und als Elsa in „Lohengrin“. Selbst Wagnerianer bescheinigen der Partie der Elsa eher blassen Charakter: Sie sei von Wagner nicht in dem Maße geformt wie andere Figuren seines gigantischen Œuvres. Natalia Ushakova scheint das Gegenteil beweisen zu wollen: So intensiv, so inbrünstig so hoch expressiv wie von ihr bekommt man die Elsa nur selten zu hören. Und die innere Stimme flüstert ihr auch diesen Traum ein: dereinst mit Jonas Kaufmann, mit dem sie sich blendend versteht und mit dem sie die gleiche Wellenlänge teilt, in „Lohengrin“ aufzutreten. Ein Traum, den ihre Verehrer nur allzu gerne mitträumen.
Natalia Ushakovas Temperament lässt sie gerne die Arme ausbreiten, wenn ihr jemand begegnet, der ihre Sympathie hat. Zwischen diesen Armen bleibt noch viel Platz für ein weit gespanntes Repertoire von Elsa bis zur Königin der Nacht.
Johannes Koprivnikar

Kammersängerin Hilde Zadek über Natalia Ushakova:
„Ich habe noch nie jemanden erlebt, der so eine Freude daran hat, hohe Töne zu singen.“
„Wo nimmt sie diese Töne her? Und sie machen ihr auch noch Spaß!“
„Sie ist die begabteste Sängerin, die ich in meinem ganzen Leben gesehen habe.“
„Es gibt für mich heute keine Bessere als Sie.“

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